Eine Ärztin impft einen Patienten

Offene Türen für humanitäre Hilfe

Magazin
8 min

Messehallen – mehr als bloße Ausstellungsorte

Ein Gespräch mit Michael Wiedekamp, Abteilungsleiter Gastveranstaltungen der HMC, und Alexander Walter, Geschäftsführer der Käfer Service Hamburg GmbH.

Nach acht Monaten und mehr als einer Million Impfungen hat das Impfzentrum in den Messehallen Ende August 2021 seine Türen geschlossen. Welche Bilanz ziehen Sie, Herr Wiedekamp?

Wiedekamp: Das Impfzentrum war die längste Gastveranstaltung, die es je bei uns gab, und ein absolutes Highlight. Die damit verbundene Verantwortung hat uns mit großer Zufriedenheit erfüllt und wir sind stolz, dazu beigetragen zu haben, dass mehr als 600.000 Hamburgerinnen und Hamburger ihren Covid-Schutz erhalten konnten. Die besondere Atmosphäre und das Vertrauen, das hier gewachsen ist, haben einen großen Beitrag zur Impfkampagne in Hamburg geleistet. Im Übrigen hat die Kooperation mit den Verantwortlichen der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung hervorragend geklappt.

Portrait von Michael Wiedekamp und Alexander Walter
Alexander Walter (l.) und Michael Wiedekamp
Portrait von Alexander Walter
Ein Hoodie mit der Aufschrift „Hamburg impft“

Im März 2022 haben die Messehallen ein weiteres Mal als Zentrum für humanitäre Hilfe gedient...

Wiedekamp: Richtig, am 7. März 2022 fuhren die ersten Busse mit geflüchteten Menschen aus der Ukraine vor. Wir hatten gerade mal vier Tage vorher Bescheid bekommen und anschließend rund um die Uhr gearbeitet, um die insgesamt fast 11.000 Menschen unterbringen zu können – eine Meisterleistung der Beteiligten.

Walter: Möglich gemacht hat dies vor allem die einzigartige Zusammenarbeit aller Gewerke. Sowas lässt sich nur stemmen, wenn man auf eine etablierte funktionierende Logistik zurückgreifen kann, ein gutes Netzwerk hat und sich aufeinander verlassen kann. Dazu kommt aber auch die große Hilfsbereitschaft, die alle in der Mannschaft ausgezeichnet hat. Da hat jeder mit angepackt, egal zu welcher Tageszeit.

Sie selbst haben ja auch ordentlich mit angepackt...

Walter: Richtig. Käfer Hamburg war ja für das Catering zuständig. Es gab für die Menschen in den Hallen durchgehend etwas zu essen und trinken. Da mussten wir uns gewaltig strecken, doch die Ausnahmesituation hat bei uns allen enorme Kräfte freigesetzt. Ich selbst habe unter anderem auch bei der Essensausgabe mitgewirkt. Das war eine intensive, beflügelnde Erfahrung. Wir haben traumatisierte Menschen erlebt, die trotz der Stresssituation höflich und friedlich geblieben sind. Besonders beeindruckt hat mich vor allem, dass viele ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht haben, indem sie etwa beim Aufräumen tatkräftig unterstützten. Und es haben sich auch sehr persönliche Kontakte ergeben, die zu einer konkreten Hilfestellung führten. Einer Frau konnte ich mit ihrem defekten Handy helfen. Das war ein großes Glück für sie und damit auch für mich.

Wiedekamp: Unter dem Strich war es für uns wertvoll, dass wir aus den Erfahrungen, die wir 2015 gesammelt hatten, schöpfen konnten. Damals gab es in den Messehallen ja bereits eine Flüchtlingsunterkunft und auch eine große Kleiderkammer. Wir wussten daher, welche Anforderungen zu erfüllen waren. Ich denke, dass sich die Messehallen auch als Zentrum für humanitäre Hilfe jetzt endgültig bewährt haben.

Haben denn 2021 trotz Pandemie noch andere Gastveranstaltungen stattgefunden?

Wiedekamp: Durchaus. Dazu gehören die Nordstil, der ITS Weltkongress, die Designmesse blickfang mit der eat&style, die WeinHamburg und die Affordable Art Fair. Schließlich haben drei Bezirksämter die Wahlauszählung zur Bundestagswahl bei uns durchgeführt. Die Organisation und Durchführung der Events hat uns viel Flexibilität abverlangt. Die größte Herausforderung war, dass es keine Planungssicherheit gab und wir uns gefühlt alle vier Wochen neu orientieren mussten. Da war Out-of-the-Box-Denken angesagt. Dennoch waren alle Gastveranstaltungen ein voller Erfolg. Sowohl die Gäste als auch die Ausstellenden waren hochzufrieden.

Walter: Die Zeit hat uns als schlagkräftiges Team noch mehr zusammenwachsen lassen und einmal mehr gezeigt, dass wir auch im Notfall sicher manövrieren können.

Michael Wiedekamp im Gespräch
Hinweisschild mit Richtungsangabe zum Corona-Impfzentrum vor den Messehallen. Im Hintergrund der Fernsehturm.

Der letzte Tag des Impfzentrums

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