
Im Jahr 2014 konnte die ARGE agn leusmann/Tim Hupe Architekten den Wettbewerb um die Modernisierung des neuen CCH für sich entscheiden. Tim Hupe verantwortete die Entwurfs-, Genehmigungs- und Leitdetailplanung. Wir haben mit dem Hamburger Architekten gesprochen.


Herr Hupe, warum hat sich die ARGE agn leusmann/Tim Hupe Architekten an dem Wettbewerb beteiligt?
Tim Hupe: Tatsächlich sind wir den Wettbewerb ein bisschen nach dem olympischen Gedanken angegangen. Wir wollten bei diesem wegweisenden Projekt unbedingt dabei sein. Nach der ersten Phase der Unbefangenheit haben wir dann realisiert, wie attraktiv und komplex die Bauaufgabe ist. Das CCH, das bei seiner Eröffnung im Jahr 1973 als Europas größtes und modernstes Kongresszentrum galt, haben wir als eine Stadt in der Stadt betrachtet. Die Blickverbindungen in den angrenzenden Park und zum Bahnhof waren für uns von Anfang an das zentrale Thema, obwohl das in der Auslobung so gar nicht formuliert war.
Als Sie im Wettbewerb dann den ersten Preis gemacht haben, war die Freude sicher groß.
Tim Hupe: Natürlich, aber die Entscheidung hat uns auch sehr überrascht, vor allem angesichts der vielen hochkarätigen Mitbewerbenden. Aber das ist in der Architektur ja keine Seltenheit.
Wie ging es dann weiter?
Tim Hupe: Nachdem wir noch im selben Jahr den Bauantrag eingereicht hatten, begann ein langer Weg des Planens und Bauens, der insbesondere durch die Auseinandersetzung mit der Substanz des Hauses aus den 1970er-Jahren geprägt war. Es gab unendlich viele Optimierungs-, Anpassungs- und Bemusterungsrunden, teilweise auch unrealistische Budgetansätze. Unter dem Strich hätten auch wir uns gewünscht, dass das Projekt schneller vorangegangen wäre.
Was waren denn die größten Herausforderungen?
Tim Hupe: Diese aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Aber sicherlich gehörten der Umgang mit dem Bestand und die technischen Anforderungen an die Qualität des Neubaus dazu. Zudem hat der überproportionale Anteil an aufwendiger Haustechnik eine immense Komplexität erzeugt.
Waren Sie in der Bauzeit oft auf der Baustelle?
Tim Hupe: Tatsächlich nein, denn halbfertige Baustellen frustrieren mich persönlich sehr. Aber als ich dann kurz vor der Eröffnung zum ersten Mal in der Eingangshalle stand und die gute Beleuchtung genossen habe, war ich versöhnt und habe mich sehr wohl gefühlt. Die Atmosphäre stimmt, das Haus hat ein gutes Karma und das meiste ist so geworden, wie wir es uns ursprünglich vorgestellt haben.
„Die Atmosphäre stimmt, das Haus hat ein gutes Karma und das meiste ist so geworden, wie wir es uns ursprünglich vorgestellt haben.“

Worauf sollten an Architektur interessierte Menschen, die im CCH zu Gast sind, vor allem achten?
Tim Hupe: Ich empfehle, das Augenmerk auf die Beleuchtung, die Akustik und die Maßnahmen zur Inklusion und Barrierefreiheit zu lenken. Ich denke, da ist vieles gut gelungen. Eines der Highlights im neuen CCH ist für mich die Empfangshalle. Trotz ihrer Größe überfordert sie die Besuchenden nicht. Als Ort der Begegnung erlaubt sie Intimität, das ist auch bei der Eröffnungsfeier deutlich geworden. Was ebenfalls eine Erläuterung wert ist, weil es nicht jeder und jedem ins Auge fällt: In der Halle stehen keine Stützen. Ich zähle zu der Fraktion unter den Architektinnen und Architekten, die Stützen als Monumente der verlorenen Schlacht gegen die Schwerkraft betrachten. Zudem erlauben sie nicht das freie Bewegen im Raum. Aus diesen Gründen liegt das Tragwerk der Eingangshalle oberhalb der Decke.
Eine weitere Herausforderung war für uns die dreieckige Geometrie der Halle. Über die geschwungene Form von Treppen und Galerien ist es gelungen, den Raum zu fassen und die Bewegung der Besuchenden zu lenken. Folgerichtig setzt sich der Kreis als Thema in Boden und Decke fort.
Und was hat es mit dem Licht im Haus auf sich?
Tim Hupe: Vor allem das Tageslicht sollte immer möglichst mild sein. Die lang gestreckten, horizontalen Deckenplatten tragen dazu bei, sie wirken als „Brise Soleil“ (Sonnenbrecher) und vermitteln zwischen Belvedere und Parklandschaft, indem sie den Ein- und Ausblick verbessern. Wenn man die flache Hand an die Stirn legt, um die Augen gegen das zentrale Licht abzuschirmen, versteht man, warum wir uns für diese Bauteile entschieden haben. Sie bestimmen übrigens auch die Figur des Gebäudes nach außen und nehmen Bezug auf den Hotelturm. Während sich das CCH flach zwischen Gleisbett und Park legt, sieht man den Turm des Hotels von überall in der Stadt. Das wollten wir nutzen.
Das CCH hat eine Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten und es wurde mit dem BDA Hamburg Architektur Preis 2022 im 1. Preisrang ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?
Sehr viel. Wir freuen uns sehr über die Zertifizierung und den Preis. Vor allem aber sind wir stolz, dass das Hamburger Jahrhundertprojekt CCH nun wieder ein Anlaufpunkt für Besuchende aus aller Welt geworden ist und unsere Architektur dazu einen wesentlichen Beitrag leistet.
